Frag mal den Azubi

Mit der Schule fertig. Und jetzt?

Ihr habt die Schule beendet und nun stellt sich die Frage: Solltet ihr eine Ausbildung machen – und wenn ja, was für eine? Wie findet ihr raus, ob eine Lehre das Richtige für euch ist und auf welche Dinge ihr dabei achten müsst?

Wir haben uns mal für euch umgehört und einen Azubi im 3. Lehrjahr gefragt, wie sie ihren Ausbildungsplatz gefunden hat und was sie euch für Tipps mit auf den Weg geben kann.  

Anika, du machst seit drei Jahren eine Ausbildung zur Mediengestalterin. Woher wusstest du, dass dieser Job zu dir passen könnte?

Ich hab’ damals als Erstes überlegt, was ich gut kann, was mir gefällt oder mich interessiert und worüber ich schon gut Bescheid weiß. Ich denke, das ist immer eine gute Grundlage. Beispielsweise hab’ ich schon in der Schule immer viel gezeichnet und gescribbelt und Wert auf eine saubere und gut lesbare Schrift gelegt, weil ich das schön finde. Als in der neunten Klasse dann das Berufspraktikum anstand, habe ich in einer Erfurter Werbeagentur herausgefunden, dass mir die Gestaltung von Schrift und Bildern auch am Computer Spaß macht. Hier konnte ich mich in verschiedenen Programmen ausprobieren, was meine Leidenschaft weiter verstärkt hat. Praktika sind generell immer eine gute Sache, um seine Stärken herauszufinden und zu sehen, wie andere das eigene Können einschätzen. Das würde ich jedem Unentschlossenen empfehlen. Dieser „Blick von draußen“ und das Feedback der Kollegen haben mir bei meiner Entscheidung damals sehr geholfen – und natürlich auch, dass ich mich mit dem Job wohlgefühlt habe.

Wenn man seine Ausbildung dann beendet hat und doch einen anderen Weg einschlagen will, kann man sich dann eigentlich noch weiter fortbilden?

Klar, das geht immer. Viele Unternehmen bieten interne Weiterbildungen oder Spezialisierungen an, die über das eigene Fachgebiet hinausgehen. Zusätzlich könnt ihr auch externe Angebote, zum Beispiel bei der IHK, nutzen. Wenn ihr gut im Job angekommen seid und Lust auf mehr habt, könnt ihr eine Weiterbildung zum Meister oder staatlich geprüften Techniker absolvieren, euren Fach- oder Betriebswirt machen oder ein (berufsbegleitendes) Studium beginnen.

Und wenn es gar nicht passt, kann ich als Azubi dann während der Ausbildungszeit auch das Unternehmen wechseln?

Ja, das ist grundsätzlich möglich. Ihr könnt aber nur kündigen, wenn ein „wichtiger Grund“ vorliegt. Überlegt euch deshalb vorher gut, ob dieser Grund nicht auch beim nächsten Arbeitgeber wieder auftauchen könnte. Kritik vom Chef, eine Tätigkeit, die euch nicht zu einhundert Prozent gefällt oder anstrengende Aufgaben gehören zur Lehrzeit dazu und sollen euch helfen, gut und vielseitig in eurem Job zu werden. Also beißt in diesen Fällen lieber die Zähne zusammen. Was natürlich gar nicht geht, sind völlig artfremde Aufgaben wie das Auto des Chefs zu putzen oder den Keller auszumisten. Das hat beides keinen Lerneffekt für euch. Bevor ihr vorschnell kündigt, sucht aber erst das Gespräch mit eurem Vorgesetzten und versucht das Problem gemeinsam zu lösen und eure Situation zu verbessern. Wenn das nicht fruchtet, könnt ihr eure Ausbildung kündigen – aber erst dann, wenn ihr einen neuen Ausbildungsbetrieb gefunden habt. Wenn ihr noch minderjährig seid, braucht ihr dazu auch die Einwilligung und Unterschrift eurer Eltern. In der neuen Bewerbung solltet ihr den Grund des Wechsels angeben. Seid ihr und das Unternehmen einverstanden mit dem Wechsel des Ausbildungsplatzes, könnt ihr auch einen Aufhebungs- oder Auflösungsvertrag einreichen. Nach der Kündigung dürft ihr Arbeitspapiere, euer Gehalt bis zum Zeitpunkt der Kündigung sowie die Auszahlung des eventuellen Resturlaubs einfordern. Die Berufsschule müsst ihr dabei nicht wechseln, wenn ihr im gleichen Job und in der gleichen Region bleibt.

Ihr wollt noch mehr wissen? Schaut hier nach https://www.rechtsanwaltsfachangestellte.org/ausbildungsbetrieb-wechseln/

Muss ich als Azubi auch Überstunden machen?

Ja, auch das kann mal vorkommen. Hier müsst ihr aber in minderjährige und volljährige Azubis unterscheiden. Bei Minderjährigen ist es ein No-Go, denn bei ihnen ist die Arbeitszeit durch das Jugendarbeitsgesetzt geschützt. Das besagt, dass die im Arbeitsvertrag besprochene Zeit pro Woche ausreichen sollte, um die Ausbildungsinhalte zu verinnerlichen. Ein Glück! Nur in Ausnahmefällen kann eure Arbeitszeit verlängert werden. ABER: Diese zusätzlichen Stunden müssen möglichst in derselben Woche als Freizeit ausgeglichen werden. Zudem gilt: Die Überstunden dürfen nur euren Ausbildungsinhalt beinhalten und der Ausbilder muss die Zeit überwachen. Als minderjähriger Azubi bekommt ihr übrigens auch mehr Urlaub! Volljährige hingegen dürfen Überstunden machen. Ihre tägliche Arbeitszeit darf aber in der Regel acht Stunden am Tag nicht überschreiten. Gibt es nur eine zeitlich begrenzte Regelung, dann darf der Azubi auch mal bis zu zehn Stunden arbeiten.

Ihr wollt noch mehr über Anika erfahren? Dann schaut hier nach https://www.same-here.de/portrait/anika-botschafterin/

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