Marvin stellt vor: Ausbildung zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik

Mein Name ist Marvin Rommel, ich bin 20 Jahre alt und im 3. Ausbildungsjahr der Ausbildung zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik. Meine Ausbildung absolviere ich bei WAGO Kontakttechnik GmbH & Co. KG in Sondershausen. WAGO zählt zu den richtungsweisenden Unternehmen für Verbindungs- und Automatisierungstechnik sowie Interface Electronic. Das Unternehmen ist Weltmarktführer im Bereich der Federklemmtechnik. Die von uns hergestellten Produkte finden überall da Anwendung, wo elektrische Leiter verbunden oder komplexe Automatisierungsanlagen gesteuert werden. Das Produktionswerk in Thüringen beschäftigt etwa 1.200 Mitarbeiter.

Durch Empfehlungen von Verwandten und Bekannten, die ebenfalls hier bei WAGO arbeiten, wurde ich auf das Unternehmen aufmerksam. Insgesamt absolvierte ich hier drei Praktika. So konnte ich mich mehr und mehr für das Unternehmen begeistern und in unterschiedlichen Berufen erproben. Der Ausbildungsberuf zum Verfahrensmechaniker gefiel mir hierbei besonders.

Was macht eigentlich ein Verfahrensmechaniker?

Wir Verfahrensmechaniker, mit der Spezialisierung für Formteile, finden uns in der Kunststoffteilefertigung wieder und verarbeiten polymere Werkstoffe von kleinen Granulatkörnern bis zum fertigen Formteil. Dieser Prozess wird als Spritzgießen bezeichnet. Habt ihr euch nicht auch schon mal gefragt, wie Kunststoffgehäuse oder beispielsweise eine Handyhülle hergestellt werden? In der Spritzeinheit wird der vorgetrocknete Kunststoff (Granulat) mit großer Hitze geschmolzen, bevor er dann unter hohem Druck in das formgebende Spritzgusswerkzeug einspritzt. Im Werkzeug angekommen, wird die Kunststoffschmelze gekühlt und erstarrt. Dabei erhält sie ihre Form und kann nach dem Öffnen des Werkzeuges nun über den Auswerfer vom Werkzeug getrennt werden. Vereinfacht gesagt, lassen wir aus kleinen Kunststoffkörnern mit Hilfe des Spritzgießprozesses Körper entstehen. Um sich das noch besser vorstellen zu können, denkt man am besten an seine Sandkastenzeiten zurück! Als Kind hat man aus kleinen Sandkörnern mit Hilfe eines Förmchens beispielsweise eine Burg geformt.

Welcome week!

Bevor es soweit kam und ich zum ersten Mal eine Spritzgussmaschine einrichten konnte, musste ich mich mit den Grundfertigkeiten des Berufs auseinandersetzen, doch dazu später mehr! Zum Ausbildungsstart im September 2016 starteten wir Azubis zur „welcome week“, um uns gegenseitig und das Unternehmen kennenzulernen. Gemeinsam besichtigten wir die Werke in Minden, Päpinghausen und Sondershausen. Außerdem konnten wir uns ein erstes Mal in unseren Fertigkeiten bei der WAGO-Olympiade messen. Nach dieser ersten Woche mit vielen neuen Eindrücken lernte ich ein halbes Jahr, in der Ausbildungswerkstatt, die Grundfertigkeiten der Metallbearbeitung kennen. In dieser Zeit konnte ich einige Werkstücke fertigen und bekam einen Einblick in verschiedene Verarbeitungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel das Feilen, Bohren, Sägen und Drehen. Nach der Grundausbildung ging es für mich in das Technikum zur Musterfertigung der Kunststoffteilefertigung. Dort lernte ich den Grundaufbau, die Wirkungsweise und auch die wichtigen Arbeitsschutzmaßnahmen an der Spritzgussmaschine kennen.

Im zweiten Ausbildungsjahr wurde ich dann Schritt für Schritt an das eigenständige Rüsten sowie an das Einstellen der Spritzparameter herangeführt. Im Laufe des Jahres erhielt ich einen Einblick in die Qualitätssicherung und konnte mir einen Überblick über die angestrebte Genauigkeit unserer technischen Präzisionsteile verschaffen. Hier wurde für mich deutlich, wie wichtig die Qualität unserer Teile ist, da bei hoher produzierter Stückzahl hohe Maßgenauigkeit verlangt wird.

Inzwischen darf ich komplexere Werkzeuge in größere Maschinen einbauen und in Absprache mit meinem Ausbilder eigenständig Anfahren.

Und die Berufsschule?

Die theoretischen Inhalte der Ausbildung werden am Staatlichen Berufsschulzentrum „Hugo Mairich“ in Gotha vermittelt und lassen sich super in die Praxis umsetzen. Wir werden neben den allgemeinbildenden Fächern wie Deutsch, Wirtschaftslehre, Sozialkunde und Sport in 14 praxisbezogenen Lernfeldern unterrichtet. Dazu gehört z.B. das Berechnen von Spritzparametern oder das Lesen von technischen Zeichnungen.

Im Großen und Ganzen muss ich der Aussage „an der Maschine stehen, ist doch total langweilig und eintönig“ widersprechen. Ich stehe täglich vor neuen Herausforderungen, denn kein Werkzeug ist wie das andere. Besonders gut gefällt mir das Aufgabenspektrum mit den verschiedenen Tätigkeiten.

Alles in allem ist der Verfahrensmechaniker ein wirklich interessanter und vielseitiger Ausbildungsberuf, welcher in einer zukunftsträchtigen Branche Fuß fasst. Besonders technisch interessierte Schülerinnen und Schüler wird diese Ausbildung viel Freude bereiten.

 

Steckbrief zum Beruf

Verfahrensmechaniker/in für Kunststoff- und Kautschuktechnik

allgemeine Angaben

Ausbildungsdauer:                             3 Jahre
Auszubildende bundesweit:              6.556
Auszubildende in Thüringen:             248

Angaben zur IHK Erfurt*

Anzahl der Ausbildungsbetriebe:       48
Anzahl der Auszubildenden:              114
Berufsschulstandorte:                       Gotha, Sonneberg

(* Die Angaben beziehen sich auf den Einzugsbereich der IHK Erfurt, Stand: 2018)
Dieser Artikel ist zuerst in der Thüringer Allgemeinen erschienen. 

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