Oleg stellt vor: Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung

 

Wo finde ich einen Job, von dem ich leben kann, der aber auch interessante Aufgaben und ein angenehmes Umfeld bietet? Mit dieser Frage bewarb ich mich mit 24 – nach einem erfolgreich abgeschlossenen Philosophie-Studium – als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung. Mit der Uni war ich fertig – also völlig fertig. Ich wollte mich mit Fragen befassen, auf die es tatsächlich Antworten gibt und dafür auch bezahlt werden.

Wie kam ich zu meinem Ausbildungsplatz?

Ich bin Oleg Wahl, wohne in Erfurt und bin inzwischen 26. Mit dem Programmieren habe ich schon recht früh in der Schulzeit begonnen und bin nebenher immer mal darauf zurückgekommen. Nach einem Studium, das keine besonders guten Aussichten auf dem Arbeitsmarkt bietet, habe ich darin eine Chance gesehen und mich mit ein paar Beispielen meiner Programmiererfahrung bei mehreren Unternehmen beworben. Entschieden habe ich mich schließlich für die HSi GmbH, einem kleinen Softwareunternehmen mit einer ungewöhnlichen Marktnische. Wir ermöglichen unseren Kunden, die aus allen Bereichen der metallverarbeitenden Industrie kommen, die Fertigungszeiten von verschiedenen Arbeitsgängen im Vorhinein zu berechnen und diese Zeiten zum Beispiel zur Preiskalkulation oder zur Arbeitsplanung zu verwenden. Das klang für mich nach einem Thema, zu dem es interessante Aufgaben geben sollte und meine Vermutung hat sich bestätigt.

Wie sieht mein Arbeitsalltag aus?

Da wir ein kleines Unternehmen sind, sind meine Aufgaben recht vielseitig. Der Fokus liegt aber natürlich auf dem Programmieren. Angefangen habe ich – mit vielen Tipps von meinem Ausbilder – mit Java-Übungsaufgaben. Ich lernte, sowohl Offline-Anwendungen, als auch Webanwendungen zu erstellen und immer komplexere Ideen umzusetzen. Inzwischen schreibe ich schon seit einer Weile reale Komponenten für unsere Anwendung, die genau so auch bei Kunden Verwendung finden. Ein wichtiger Bestandteil meines Alltags ist, den Quellcode meiner Kollegen zu verstehen und an gemeinsamen Projekten mitzuwirken. Andere Aufgaben sind beispielsweise das Aufnehmen und Schneiden von Videos oder das Installieren und Konfigurieren von Software. Zwei mal war ich auch schon mit unserem Vertrieb auf internationalen Metallbau-Messen und habe geholfen, unsere Produkte vorzustellen. All das findet in einem entspannten Arbeitsklima statt und mit Kollegen, die ein offenes Ohr für meine vielen Fragen haben.

Für wen ist dieser Beruf geeignet?

Du baust ein Deck für ein Sammelkartenspiel. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, eine bestimmte Karte innerhalb der ersten 5 Karten zu ziehen, wenn du davon 3 im Deck hast und das Deck 40 Karten hat? Wenn das für dich nach einer interessanten Frage klingt, dann bist du im Beruf des Fachinformatikers für Anwendungsentwicklung vermutlich richtig. Wenn du nun noch die Idee hast, eine Funktion zu schreiben um diese Frage für beliebige Zahlenwerte zu beantworten, dann begrüße ich dich hiermit schon mal als Kollegen. Du musst nur noch einen Themenbereich finden, in dem du für deine Arbeit auch bezahlt wirst – die Industrie ist hier ein guter Kunde, da dort immer nach hilfreichen Lösungen gesucht wird.

Egal ob du ein Spiel, einen Texteditor oder ein Programm zur Berechnung von Arbeitszeiten entwickelst – stets ist die Frage: Wie erkläre ich dem Computer meine Anforderung in seiner Sprache – also so, dass er sie erfüllen kann? Wenn dir das interessant scheint, wünsche ich dir viel Spaß als Fachinformatiker für Anwendungsentwickung.

 

Steckbrief zum Beruf

Fachinformatiker für Systemintegration und Anwendungsentwicklung

allgemeine Angaben

Ausbildungsdauer:                             3 Jahre
Auszubildende bundesweit:              10.995

Angaben zur IHK Erfurt*

Anzahl der Ausbildungsbetriebe:       92
Anzahl der Auszubildenden:              172
Berufsschulstandorte:                       Erfurt

(* Die Angaben beziehen sich auf den Einzugsbereich der IHK Erfurt, Stand: 2018)

2 Kommentare
  1. Avatar
    Thomas sagte:

    Cool, dass du deine Nische gefunden hast. Und auch noch dafür bezahlt werden ist natürlich auch nicht schlecht :D
    Bringt dir das Studium noch irgendwas im Arbeitsalltag (kritisch denken) oder ist das jetzt echt was total anderes?

    Antworten
    • Avatar
      Oleg sagte:

      Danke :)
      Ja, die fünf Jahre helfen weiter. Klar, zur Problemanalyse, aber nicht nur das.
      Die Boolsche Algebra, die ich für Bedingungen und Verknüpfungen (etwa in SQL) brauche, ist eins zu eins das, was ich in Logik gelernt habe. Von der formalen Argumentation in der analytischen Philosophie zur Algorithmisierung ist es generell nicht so weit, wie viele glauben ;) Programmieren hat am Ende mehr mit Sprache und Denken zu tun, als mit „Technik“.
      Nebenbei habe ich im Studium viel Englisch gelernt und natürlich generelle „Soft Skills“ wie Präsentieren (ja, muss man als Informatiker auch, nicht nur in der Ausbildung). Das hilft schon sehr weiter, sowohl in der formellen Ausbildung (also Berufsschule, Prüfungen), als auch im Arbeitsalltag.

      Antworten

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