Paul stellt vor: Ausbildung zum technischen Modellbauer

 

Auszubildender Paul Schliwa (21), Technischer Modellbauer bei ModellTechnik Rapid Prototyping GmbH Waltershausen.

Beitragsbild Modellbauer

Als ich zum ersten Mal die Bezeichnung Modellbauer hörte, dachte ich an eine reine Freizeitbeschäftigung, bei welcher man kleine Plastikteile zu beachtlichen Modellen nach Maßstab zusammenfügt und anschließend bemalt werden.

Hinter der Berufsbezeichnung Technischer Modellbauer (Fachrichtung Gießerei) steckt jedoch etwas anderes. Das Tätigkeitsfeld umfasst neben dem Bau von Modellen für die Verwendung in Gießereien auch die Prototypenherstellung für die Automobilindustrie bis hin zu Einzelanfertigungen für die Konsumgüterindustrie. Auf die letzteren zwei hat sich mein Ausbildungsbetrieb spezialisiert. Um bei jedem Auftrag ein optimales Produkt an den Kunden liefern zu können besitzt die Modelltechnik eine Vielzahl an Fertigungsverfahren. Die für die Rapid Prototyping GmbH namensgebenden Verfahren sind die Stereolithografie (SLA) und das Selektive Lasersintern (SLS). Bei diesen Verfahren handelt es sich um eine Art des 3D-Druckes, bei denen aus einem flüssigen Polymer (SLA) oder einem Pulver (SLS) das fertige Modell entsteht.

Dies sind jedoch nur zwei der Verfahren, welche ich als Modellbauer im Rahmen meiner Ausbildung in unserem Unternehmen kennenlerne. Bei der Spezialisierung in der Fachrichtung Gießerei geht es hauptsächlich um die unterschiedlichen Möglichkeiten, eine Form für den Guss und die dazu benötigte Modelleinrichtung bauen zu können. Dabei ist die Art des Gießmetalls, Anforderungen an das fertige Gussstück, sowie Anzahl der Gussstücke mitentscheidend, welches Verfahren ich wähle. Zur Weiterentwicklung der persönlichen Fachkompetenz kann ich zusätzlich Lehrgänge besuchen. So lerne ich meine grundlegenden handwerklichen Fähigkeiten in der TBS Gotha und entwickele sie im Betrieb weiter. Aber auch das in der Berufsschule erlernte CNC und CAD programmieren und konstruieren kann ich auf separaten Lehrgängen vertieften und festigen.

Ein besonderes Erlebnis sind die Lehrgänge in Bad Wildungen an der Bundesfachschule Modell- und Formenbau. Hier kommen Modellbau-Auszubildende aus ganz Deutschland zusammen, teilen ihr Wissen und verfeinern ihre Fähigkeiten. Da es sich um eine duale Ausbildung handelt, verbringt der Auszubildende einen Teil seiner Zeit in einer Berufsschule und bekommt dort theoretisches Wissen praxisnah vermittelt. Um dies zu gewährleisten, werden regelmäßig Exkursionen zu Gießereien und Modellbaubetrieben durchgeführt. Die Auszubildenden bekommen so einen Eindruck von den Arbeitsabläufen und Prozessen in anderen Unternehmen vermittelt.

Im eigenen Unternehmen besitzen wir Auszubildende ein umfangreiches Aufgabenfeld. Zum Beispiel unterstützen wir, insbesondere zu Anfang der Ausbildung, Facharbeiter bei ihren Projekten. Im Laufe der Ausbildung bekommen wir immer komplexere Aufträge mit höherer Eigenverantwortung übertragen. So musste ich vor einiger Zeit eine Aufnahme aus Silikon in einem Kunststoffblock-materialrahmen bauen. Diese benötigen wir, um das Bauteil während einer Bedruckung an Ort und Stelle zu halten. Dabei standen mir nur eine Skizze und das vom Kunden bereitgestellte Kunststoffteil zur Verfügung. Daher war meine Kreativität gefragt, um die gewünschte Aufnahme möglichst schnell und präzise gebaut zu bekommen. Um die Aufgabe bewältigen zu können, benötigte ich neben der Kreativität noch handwerkliches Geschick. Außerdem eine hohe Bereitschaft, mich Neuem und Unbekanntem zu öffnen.

Um nach meiner abgeschlossenen Ausbildung weiterhin an meinen Fähigkeiten arbeiten zu können, besteht die Möglichkeit zur Weiterbildung. So kann ich beispielsweise meine erlernten Kenntnisse im Bereich CAD oder CNC ausbauen. Auch die Option meine Meisterprüfung abzulegen, steht mir, bei guter Leistung, offen. Für mich als Modellbauer könnten zur Weiterbildung auch einige technische Studiengänge in Frage kommen.

Die mir gebotene abwechslungsreiche Tätigkeit, sowie die anspruchsvollen Aufgaben und die Möglichkeit mich stets weiterzubilden, geben mir das Gefühl, die richtige Entscheidung getroffen zu haben: Den Beruf Modellbauer erlernen zu wollen.

Steckbrief zum Beruf

Technischer Modellbauer/-in

allgemeine Angaben

  • Ausbildungsdauer: 3,5 Jahre
  • Auszubildende bundesweit: 573
  • Auszubildende in Thüringen: 19

Angaben zur IHK Erfurt*

  • Anzahl der Ausbildungsbetriebe: 3
  • Anzahl der Auszubildenden: 13
  • Berufsschulstandorte: Gera

(*Die obigen Angaben beziehen sich auf den Einzugsbereich der IHK Erfurt, Stand: 2019)

Dieser Artikel ist zuerst in der Thüringer Allgemeinen erschienen.

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